Paarung

Die Paarung der Haie

Die Zeit, in der sich Haie fortpflanzen können, ist von Art zu Art unterschiedlich. Weibchen mancher Arten bringen, sobald sie geschlechtsreif sind, ohne Unterbrechung jedes Jahr ein Junges zur Welt. Andere bekommen einige Jahre hintereinander Nachwuchs, müssen dazwischen allerdings auch lange Ruhepausen einlegen. Bei der Mehrzahl der Haie scheint die Paarung aber an eine bestimmte Zeit gebunden zu sein. Diese Zeit scheint vor allem von der Umgebungstemperatur abzuhängen, welche den Hormonhaushalt der Tiere auf die Paarung einstellt. Nur zur Zeit der Paarung treffen Haie auf Artgenossen, denn normalerweise sind sie - bis auf einige Ausnahmen - klassische Einzelgänger.

Die Paarung an sich verläuft äußerst gewaltsam. Männchen kleiner und vor allem beweglicher Haiarten, wie z.B. der Katzenhai (Scyliorhinus spp.), wickeln sich regelrecht um das Weibchen herum (siehe Bild unter Verhalten). Bei größeren Arten ist das nicht so einfach. Die beiden Partner müssen eine parallele Haltung (Bauch an Bauch) einnehmen. Diese zu finden kann außerordentlich schwer sein. Es liegt am Männchen, das Weibchen in die richtige Position zu bringen - egal wie. Als wohl probatestes Mittel hat sich das Beißen erwiesen. Das Männchen versucht also durch Bisse und Andrücken an alle möglichen Dinge in der Umgebung, das Weibchen in die "richtige" Position zu bringen. Immerhin bietet dem Weibchen dabei die oft doppelt so dicke Haut ein wenig Schutz.. In späteren Phasen wird das zunächst passive Weibchen jedoch aktiver, was dann dem Männchen einige Bisse und Schrammen einbringt. Beide Partner sind somit nach dieser Begegnung erschöpft und besonders am Rücken, den Seiten und am Flossenansatz deutlich mit Bissen und Schrammen gezeichnet.

Der Paarungsablauf

Durch Bisse und Andrücken an den Meeresboden versucht dieser Ammenhai das Weibchen in die richtige Position zu bringen.
© Angelo Mojetta

Die Geschlechter sind bei Haien relativ leicht zu unterscheiden. Männchen sind an den beiden sogenannten Klammerorganen (auch Klasper genannt) zu erkennen, die aus dem aufgerollten inneren Rand der Bauchflossen bestehen. Bei erwachsenen Tieren werden sie meist durch Knorpelteile gestützt. Normalerweise zeigen diese Organe nach hinten, sind also am Bauch angelegt. Bei der Paarung ist der Hai mit Hilfe seiner Bauchflossenmuskulatur in der Lage, die Klammerorgane nach vorne und nach außen aufzurichten. Die Öffnung der beiden sogenannten Siphone werden freigelegt. Es handelt sich dabei um eine Art subkutane (d.h. unter der Haut liegende) Tasche der Klammerorgane, die beim Schwimmen automatisch mit Wasser gefüllt wird.

Das Männchen führt bei dem oben beschriebenen Vorgang die Klammerorgane in die Kloake des Weibchens ein (innere Befruchtung). Sind die Klammerorgane bis an das Ende des innersten Teils des weiblichen Geschlechtsapparates eingeführt, treten starre Knorpel aus dem Klammerorgan hervor und verfestigen den ohnehin schon starken Kontakt noch mehr. Zugleich versteifen sie das Klammerorgan des Männchens. In rascher Folge fließen nun die Spermatophoren - eine Art kleiner Säcke, in denen sich die Spermien mittlerweile angesammelt haben - entlang des Samenleiters in die Kloake des Weibchens. Dort mischen sie sich mit dem Wasser, dass nun aus den Klammerorganen zusätzlich einströmt. Durch den Wasserkontakt werden die Spermien von ihrer Hülle befreit und in den weiblichen Genitaltrakt hineingeschossen. Von dort aus gelangen sie in den Uterus und in die Schalendrüse, wo sie schließlich auf die Eizellen treffen.

Geschlechtsorgan der Männchen
Geschlechtsorgan der Weibchen

Die Geschlechtsorgane von Männchen (oben) und Weibchen (unten).
Legende zum männlichen Geschlechtsorgan: Hoden (a), Nebenhoden (b), Samenleiter (c), unterer Samenleiter (d), Samenleiterampulle (e) und Klammerorgane (f).
Legende zum weiblichen Geschlechtsorgan: Ovar (a), Schalendrüse (b), Eileiter (c), Uterus (d) und Kloake (e).
© by Angelo Mojetta (modifiziert von Gordon Kuckluck)

Dabei muss die Befruchtung nicht immer unmittelbar nach der Paarung stattfinden. Die Spermien des Männchens können in den Schalendrüsen angereichert und für längere Zeit gespeichert werden.

Die Eier, deren Größe je nach Art von einem bis zu 100 Millimetern reicht, gelangen meist vom rechten Ovar des Weibchens, wo sie gebildet werden, in die Abdominalhöhle. Von dort aus werden sie über Wimperzellen in einen oder beide Eileiter geführt und erreichen so die Schalendrüse, wo die eigentliche Befruchtung dann stattfinden kann. Von nun an beginnt, je nach Art, die Tragzeit bzw. die Eiablage.

Die Schalendrüse schneidet nun ihre schützende Hülle aus (der sie übrigens ihren Namen verdankt). Von dieser - je nach Art sehr unterschiedlich dicken - Membran werden die Eier umhüllt. Sie entfaltet sich im Laufe der Zeit während dem Wachstum des Embryos. Prinzipiell versuchen Haie nicht, den Fortbestand ihrer Art durch möglichst viele kleine Eier und demzufolge viele Jungtiere zu gewährleisten (sogenannte "r-Strategen"). Es gibt Arten, in denen das Weibchen nur ein oder zwei Junge zur Welt bringt. Diese Jungtiere sind dafür aber sofort in der Lage, ein selbstständiges Leben zu führen. Haie sind also sogenannte "K-Strategen".

Es gibt verschiedene Arten, wie Haie ihre Jungen zur Welt bringen: die sogenannte Oviparie, die Viviparie, und die Ovoviviparie.

Oviparie:

Ovipar sind vor allem die Grundhaie (Carcharhiniformes), wie z.b. die Ammenhaie (Ginglymostoma spp.). Ovipar bedeutet, dass diese Haie Eier oder Eikapseln in allen nur erdenklichen Formen ablegen. Diese Eier oder Eikapseln bestehen meist aus einer hornigen Hülle oder Theca, die wasser- und somit auch sauerstoffdurchlässig ist. In diesen Eiern wächst der Embryo heran. Hat der Hai seine Entwicklung abgeschlossen, schneidet er mit seinen besonderen, sägeartigen Schuppen an Schnauze oder Flossen die Eihülle von innen auf.

Ein kleiner Hai verlässt sein Ei

Am Ende der Entwicklungszeit dieses Schwellhai-Babys (Cephaloscyllium ventriosum), schneidet es die Eihülle mit speziellen Dentikeln am Rücken auf und kann sofort selbstständig davonschwimmen.
© by Angelo Mojetta
Eikapsel eines Katzenhais

Eikapsel eines Pyjamahais (Poroderma africanum) (klicken zum Vergrößern). Die langen Fäden am Ende des Eis können sich am Substrat verheddern (z.B. an Wasserpflanzen), so dass sie nicht wild durchs Wasser treiben. Manche Haie legen ihre Eier auch gezielt so ab.
© by Heike Zidowitz/D.E.G.

Viviparie:

Vivipare Haie sind lebendgebärende Haie. Sofort nach der Geburt sind die kleinen Haie von der Mutter unabhängig und begeben sich selbstständig auf Futter- und Verstecksuche.

Ovoviviparie:

Die Ovoviviparie kommt besipielsweise beim Dornhai (Squalus acanthias) vor. Auch hier scheint es sich - rein äußerlich - um lebendgebärende Haie zu handeln. Doch im Muttertier sieht es anders aus. Dort liegen Eier, aus denen die Jungen noch im Mutterleib schlüpfen. Bei manchen Arten fressen die kleinen Haie ausschließlich den Dotter, der dem Ei beigegeben ist. Wenn sich die Eihülle dann (wie beim Dornhai) nach ca. sechs Monaten öffnet, ernähren sich die kleinen Haie weiterhin vom Dottersack. Meist liegen mehrere befruchtete Eier im Uterus des Weibchens. Insgesamt beträgt die Tragzeit beim Dornhai rund 22 Monate.

Anders sieht es bei Arten aus, die sehr kleine Eier und einen kleinen Dottersack haben. Hier besteht meist eine sehr enge Verbindung zwischen Mutter und Embryo. Der spezialisierte Uterus wächst und lange Filamente aus der Schleimhaut dringen in die Kiemenschlitze der kleinen Haie ein. So werden sie mit einer milchigen Nährsubstanz, einer Art "Energy-Drink", versorgt. Auf diese Weise können beispielsweise Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) bis zu 82  Jungtiere mit einer Größe von 51 bis 76 cm gebären. Der Uterus teilt sich bei vielen Jungtieren in mehrere getrennte Kammern auf, wobei jede Kammer von einem Embryo bewohnt wird.

Eikapsel eines Rochens

Eikapsel eines Sternrochens (Amblyraja radiata).
© by Heike Zidowitz/D.E.G.

Bei den Hammer- (Sphyrna spp.) und Blauhaien (Prionace glauca) entwickelt sich der Embryo zunächst unabhängig. Später heften sich Dottersack und Eimembran an den Uterus und verwandeln sich in eine Plazenta. Über Blutgefäße und spezielle Transportzellen der Nabelschnur werden die Jungen stets direkt von der Mutter versorgt.

Eine weitere weit verbreitete Art, Junge zu ernähren ist die sogenannte Oophagie. Dabei fressen die Jungtiere, die zuerst schlüpfen, die anderen im Uterus befindlichen Eier - die meist unbefruchtet sind, z.B. beim Makohai (Isurus oxyrinchus) oder auch beim Weißen Hai (Carcharodon carcharias). Beim Sandtigerhai (Carcharias taurus) ist sogar intra-uteriner Kannibalismus (Embryophagie) erkennbar. Die zuerst geschlüpften Jungtiere fressen - neben ihren noch nicht geschlüpften Geschwistern (siehe Oophagie) - durchaus auch bereits geschlüpfte, aber kleinere und schwächere Tiere auf, so dass am Ende nur ein Junges pro Uterus zur Welt kommt. Der Sandtigerhai ist der einzige Hai, bei dem dieser Kannibalismus bekannt ist.

Oftmals findet man am Strand Eikapseln, die so aussehen wie unten dargestellt. Auch wenn sie ähnlich aussehen wie die der Haie, handelt es sich hierbei um Eikapseln von Rochen (Batoidea). Rocheneier sind gemeinhin viereckiger als Haieier und tragen an den Ecken lediglich kleine "Hörnerquot" (s. Abbildung unten). Haieier sehen nicht ganz so "kissenartig" aus, wie die Abbildung der Eikapsel des Pyjamahais (Poroderma africanum) weiter oben auf dieser Seite zeigt.