Nahrung

Die Nahrung der Haie

Es gibt viele sehr spezialisierte Haiarten. Manche fressen ausschließlich Muscheln und Krebstiere, andere fressen Fische. Walhaie (Rhincodon typus), Riesenhaie (Cetorhinus maximus) und Riesenmaulhaie (Megachasma pelagios) bevorzugen trotz ihrer enormen Größe winziges Zoo-Plankton, das sie mit Hilfe ihrer Kiemen aus dem Wasser filtern (s. Abbildung unten).

Diese Haie haben alle sehr kleine Zähne und ein endständiges Maul, um die Ausbeute an Plankton zu optimieren. Außerdem sind ihre Kiemen sehr stark modifiziert und bilden ein riesengroßes Filtersystem. Der Riesenhai und der Riesenmaulhai haben z.B. Kiemen mit etlichen kleinen, hornigen Stacheln, den sogenannten Kiemenreusen. Kleinstlebewesen, die mit dem Wasser ins Maul einströmen, bleiben in diesen Kiemenreusen hängen. So kann ein Riesenhai ca. 9t Wasser pro Stunde filtern. Seltsamerweise verschwinden Kiemenreusen in den Wintermonaten. Wovon Riesenhaie sich im Winter ernähren ist bisher nicht erforscht. Die plausibelste Hypothese ist, dass die Riesenhaie sich im Winter in tiefere Gewässer zurückziehen und eine Art Winterruhe halten, in der ihnen neue Kiemenreusen wachsen.

Ein Walhai ist aktiver als ein Riesenhai. Er öffnet und schließt das Maul beim Schwimmen, wobei Kleinstorganismen im schwammigen Gewebe hängen bleiben, das an den Knorpelwänden der Kiemen festsitzt.

Kiemenreusen

Während der Riesenhai (Cetorhinus maximus) bei geöffnetem Maul schwimmt, fließen Unmengen von Wasser in sein Maul und über die Kiemen. Die Kiemenreusen halten nun wie ein Filter das Zoo-Plankton und andere Kleinstlebewesen zurück. Dadurch, dass die Kiemenreusen größere Partikel zurückhalten, schützen sie zudem die Kiemenlamellen vor Beschädigungen.
© by Angelo Mojetta

Den Allesfresser unter den Haien stellt der Tigerhai (Galeocerdo cuvier) dar. Von Stiefeln über Blechdosen bis hin zu Zigarettenschachteln hat man schon alles in seinem Magen gefunden... Deshalb wurde er sogar schon zum "Mülleimerhai" (engl.: garbage can shark) ernannt. Die Fähigkeit, einfach alles fressen zu können, verdankt der Tigerhai übrigens der besonderen Struktur seiner Zähne. Sie sind von dreieckiger Form, haben einen Sägerand und funktionieren wie eine Säge. Sogar die dicken Panzer von Meeresschildkröten können diese Zähne zerschneiden.

Manche benthischen (bodenlebenden) Haie, wie z.B. Ammen- (Ginglymostoma spp.) oder Engelshaie (Squatina spp.), verstecken sich in sandigen Böden und lauern ihren Opfern auf. Diese "saugen" sie dann einfach ein (siehe Atmung). Durch ihre Anpassungsfähigkeit und vor allem durch ihre Spezialisierung können viele Haiarten ohne jeglichen Konkurrenzkampf nebeneinander koexistieren.

Wieder andere Haiarten ändern sogar ihre Fressgewohnheiten in Abhängigkeit von ihrem Wachstum. Kleine Weiße Haie (Carcharodon carcharias) beispielsweise bevorzugen Oktopoden und kleinere Fische. Wenn sie größer sind und ihnen scharfe, große Zähne gewachsen sind, fressen sie Seelöwen oder Delphine. Dennoch bildet der Weiße Hai nicht überall die Spitze der marinen Nahrungskette. In Meeren in denen der Weiße Hai z.B. mit Schwertwalen (Orcas) konkurriert, ist dessen Überlegenheit unumstritten - es kommt sogar vor, dass Orcas Weiße Haie fressen.

Der Weiße Hai bevorzugt tagsüber Beute, die nahe der Oberfläche schwimmt. So bestehen für ihn bessere Chancen, einen Überraschungsangriff erfolgreich abzuschliessen, bei dem er - meist von unten kommend - die Beute überrumpelt. Nachts zieht sich der Weiße Hai zur Jagd in tiefere Gewässer zurück. Ähnliche Verhaltensweisen kann auch beim Makohai (Isurus spp.) beobachten. Junge Makohaie fressen überwiegend Kopffüßer und kleine Fische, während erwachsene Tiere Schwertfische, Marlins oder Delphine bevorzugen. Bei allen Haien gilt aber eingentlich der Grundsatz, dass sie sich jeweils auf das konzentrieren, was gerade am leichtesten zu erbeuten ist.

See-Elefanten

See-Elefanten gelten beim Weißen Haien als beliebtes Beutetiere.
© by Barbara Wiegel

Große Beutetiere werden erst getötet und dann verschlungen, während Haie kleine Beute durchaus auch unzerteilt herunterschluckt. Bei seinen Attacken geht der Hai erstaunlich vorsichtig vor. Jagt ein Weißer Hai beispielsweise einen See-Elefanten (Mirounga spp.), so wird dieser meist von unten attackiert. Der Hai versucht dem See-Elefanten dabei in die Brust oder in die hintere seitliche Rückenregion zu beißen. Dadurch wird der See-Elefant bewegungsunfähig gemacht. Anschließend wartet der Hai in sicherer Entfernung, bis sein Opfer stirbt und kommt erst dann zurück um es zu verspeisen.

Die Verdauungsorgane von Haien funktionieren auf ganz besondere Art. Der Magen wird durch den sogenannten Pförtner vom Darm getrennt. Die innere Wand des Darms ist spiralförmig gefaltet. Dies vergrößert die Oberfläche ohne den Darm zu verlängern. Diese ganz eigentümliche Struktur des Darms verhindert, dass unverdauliche Teile der Beute durch den Darm wandern. Anstatt diese auszuscheiden, würgt der Hai sie wieder hoch.

Die größte Drüse des Verdauungstraktes ist die Leber. Sie enthält viele Fette und andere Substanzen. Dadurch kann ein Hai über längere Zeit ohne Nahrung auskommen – er nutzt seine Leber als Energiereserve. Außerdem ist die Leber wichtig für das hydrostatische Gleichgewicht des Hais, d.h. der Hai benutzt diese Drüse, um sein spezifisches Gewicht zu reduzieren und seinen Auftrieb zu erhöhen. Denn im Gegensatz zu den meisten Knochenfischen hat der Hai keine Schwimmblase, die ihm Auftrieb gibt (mehr zu der speziellen Rolle der Leber unter Leber).

Ein Seelöwe

Auch Seelöwen gehören zur Lieblingsspeise der Weißen Haie. Besonders unerfahrene und daher unvorsichtige junge Seelöwen sind eine leichte Beute.
© by Thomas Eigenheer

Haie sind ganz ausgezeichnete Futterverwerter. Es sind kaum nachweisbare Ausscheidungen vorhanden. Das, was die Tiere jedoch ausscheiden, besteht sowohl aus Kot als auch ein wenig hoch konzentriertem Harn. Doch auch bei Haien gilt - wie bei vielen anderen Meeresbewohnern -, dass sie bestrebt sind (aufgrund des Salzgehalts des umgebenden Wassers), möglichst wenig Flüssigkeit abzugeben. Osmotische Vorgänge stellen auch für sie eine Gefahr dar.

Entgegen der öffentlichen Meinung, Haie seien stets auf der Suche nach Beute, zeigen neuere Erkenntnisse, dass Haie nur alle vier bis sieben Tage Nahrung zu sich nehmen. Intensive Jagdzeiten wechseln sich dabei mit vergleichsweise langen Verdauungszeiten ab. Haie sind aufgrund des speziellen Baus ihres Verdauungsapparates in der Lage, Nahrung über einen längeren Zeitraum zu konservieren.

Die Menge der verzehrten Nahrung pro Jahr variiert von Haiart zu Haiart, liegt im Schnitt aber ca. bei dem zehnfachen des Körpergewichts des Hais.