Geruchssinn

Der Geruchssinn der Haie

Die Geruchsorgane des Hais liegen seitlich vorne an der Schnauze. Manchmal kommunizieren Haie über eine sogenannte Naso-Oralrinne mit dem Maul. Die runden, ovalen oder länglichen Nasenöffnungen sehen aus, als würden sie durch eine Art Membran nochmals in zwei Abschnitte unterteilt werden (s. Abbildung). Dies gewährleistet einen ständigen Ein- und Ausfluss von Wasser, während der Hai schwimmt. Tatsächlich handelt es sich hierbei um sogenannte Blindsäcke, deren innere Oberfläche aus zahlreichen Einfaltungen besteht. Diese gefaltete Oberfläche vergrößert somit die rezeptive Fläche, wodurch der Hai sogar kleinste Mengen "fremder" Stoffe im Wasser wahrnehmen kann. Ein Zitronenhai (Negaprion brevirostris) nimmt Duftstoffe beispielsweise noch in einer Verdünnung von 1:10.000.000 wahr, d.h. ein Teilchen "fremder" Stoff auf 10 Millionen Teilchen Wasser! Bei anderen Arten liegt die Wahrnehmung sogar noch höher.

Die Nase des Hais

Der Ein- und Ausfluss von Wasser in die Nase eines Hais.
© by Angelo Mojetta

Das Riechepithel besteht aus länglichen Zellen mit jeweils einer Rezeptorcilie, die in die Nase hineinragt und ständigen Kontakt mit dem Wasser hat. Zur anderen Seite hin setzt sie sich als Nervenfaser zum Riechnerv fort. Mit der oben erwähnte Naso-Oralrinne können Haien ebenfalls riechen, doch nur, wenn sie regungslos verharren. Es muß lediglich gewährleistet sein, dass die Kiemen für einen fortlaufenden Wasserstrom sorgen. So können benthische (d.h. bodenlebende) Arten - auch wenn sie regungslos am Grund liegen - trotzdem noch riechen.

Ein Hai nimmt über den Geruch aber nicht nur die Fährte eines potentiellen Beutetiers auf, sondern er wird damit auch vor drohender Gefahr gewarnt. Außerdem gibt der Geruchssinn Auskunft über das Geschlecht eines anderen Hais. Die Tatsache, dass der Hai durch seine Nase vor Gefahr gewarnt wird, versuchen sich die Menschen durch künstliche Duftstoffe zu Nutze zu machen. Tiere, die Duftstoffe abgeben um Haie abzuschrecken, kommen in der Natur schon lange vor. So sondert die Moses-Seezunge (Pardachirus marmoratus) bei Gefahr eine Substanz ab, die die Mundmuskulatur lähmt, so dass der Hai für eine Weile nicht zubeißen kann.

Die Annahme, dass ein im Wasser schwimmender Mensch, der eine blutende Wunde hat, sofort von Haien angegriffen wird, ist falsch. Das Blut eines jeden Tieres ist in seiner Zusammensetzung anders. Der Hai kann - wie Versuche bestätigen - das Blut verschiedener Lebewesen unterscheiden. Vermutlich erkennt der Hai einige Bestandteile des menschlichen Blutes.

Das Innere der Hai-Nase

Zahlreiche Riechzellen keiden die Nase lamellenförmig aus.
© by Angelo Mojetta

Eine Annäherung an eine ihm bekannte Tiergruppe ist eventuell möglich. Er erkennt das menschliche Blut als solches jedoch nicht. Deshalb würden bei einem verletzten Schwimmer zwar Haie auftauchen, aber sie würden dem Unbekannten gegenüber vorsichtig agieren und nicht sofort in den von den Medien propagierten "Fressrausch" verfallen.

Neue Untersuchungen zeigen, dass es sich beim "Fressrausch" eventuell nur um ein schnell ablaufendes hierarchisches Fressen handeln könnte. Weitere Tests werden hoffentlich in naher Zukunft Aufschluß geben.