Gehör

Das Gehör der Haie

Im Vergleich zu anderen Wirbeltieren ist das Gehör des Hais unterentwickelt, erweist ihm aber dennoch einen außerordentlich guten und wichtigen Dienst. Der Hai kann mit seinen Ohren Geräusche wahrnehmen, außerdem steuert das Innenohr auch die Orientierung und das Gleichgewicht. Zudem ist es eng mit dem Seitenlinienorgan verbunden. Äußerlich ist das Ohr kaum sichtbar. Einziges Indiz sind hierbei die winzigen endolymphatischen Poren auf dem Kopf des Hais. Das Gehör liegt unmittelbar hinter und über den Augen und wird eng von der sogenannten Hirnkapsel umschlossen.

Im Wesentlichen besteht das Ohr des Hais aus drei bogenförmigen Kanälen, die das Gleichgewicht und die Orientierung steuern. Diese Kanäle sind im rechten Winkel zueinander angeordnet und jeweils mit einer dicken Flüssigkeit gefüllt. Jeder dieser Bogengänge besitzt mit der sogenannten Ampulla einen größeren Abschnitt, in dem die Sinneszellen konzentriert sind.

Bei jeder Bewegung des Hais verlagert sich die Flüssigkeit und drückt den Schleim der Ampullen und damit auch die Cilien, die die Sinneszellen in der Ampulla säumen, zusammen. Die Cilien wiederum reizen - ähnlich wie beim Seitenlinienorgan - die mit ihnen verbundenen Nervenfasern. Diese geben dann Impulse an das Gehirn weiter. Das Gehirn verarbeitet die Impulse und errechnet so die Geschwindigkeit und die Position im Raum.

Das Gehör des Hais

Das Gehörorgan wird von manchen Fachleuten als ein innerer Abschnitt des Seitenlinienorgans angesehen. Der obere Abschnitt des Ohrs besteht aus drei bogenförmigen Kanälen (a, b, c) und dem Utriculus (d), der das Gleichgewicht kontrolliert. Der untere Abschnitt enthält den Sacculus (e), der die vom endolympathischen Gang (f) übertragenen Töne wahrnimmt.
© by Angelo Mojetta

Mit den Bogengängen ist ein sackförmiges Organ verbunden, welches aus den drei Teilen Utriculus, Lagena und Sacculus besteht. Letzteres verfügt über Gruppen von Wimperzellen, die auf weniger als 1.000 Zyklen pro Sekunde reagieren. Die höchste Empfindlichkeit liegt zwischen 25 und 100 Hertz. Solch niedrige Frequenzen werden über mehrere hundert Meter übertragen. Der Sacculus steht mit dichten Partikeln in Verbindung und ist vergleichbar mit den Gehörsteinchen anderer Fische. Aufgrund der Tatsache, dass Haie keine trommelfellähnliche Struktur besitzen, werden die Schwingungen von nahezu dem gesamten Körper aufgenommen und dann über das Körpergewebe an das Ohr weitergeleitet. Da sich Gehör und Seitenlinienorgan der Haie sehr ähneln, spricht man bei diesen beiden sich ergänzenden Organen von einem akustiko-lateralen System. So hat jeder Ton, der unter Wasser erzeugt wird, Druckwellen zur Folge, die je nach Entfernung in ihrer Form variieren. Weit entfernte Töne stimulieren mit ihren Wellenformen eher das Innenohr des Hais, während nahe Töne mit ihren Wellenformen effektiver vom Seitenlinienorgan wahrgenommen werden.

Außerdem umfasst dieses System Sinnesgruben, die rings um die endolymphatischen Poren an der Schnauze des Hais, parallel zum Maul und entlang der Brustflossen verlaufen. Sie reagieren besonders auf laminare Strömungen, die am Körper des Hais entlanglaufen. Vermutlich geben sie dem Hai Auskunft über seine Lage im Wasser.

Ergänzungen und weiterführende Informationen zum Gehör unter Seitenlinienorgan.