Carcharhiniformes
Die meisten noch lebenden Haiarten werden der Ordnung der Carcharhiniformes (Grundhaie) zugeordnet. Die 197 Arten werden auf acht Familien aufgeteilt.
Alle Grundhaie haben einen langen, spitz zulaufenden Körper, zwei stachellose Rückenflossen, eine Afterflosse, fünf Kiemenschlitze, sowie eine verlängerte Schnauze mit einem gut entwickelten Maul, das beinahe bis hinter die Augen reicht. Die ebenfalls bei diesen Haien vorhandene Nickhaut (siehe "Sehvermögen"), die zum Schutz vor die Augen geschoben werden kann, verleiht dem Blick dieser Haie eine gewisse Ausdruckslosigkeit, so als befänden sie sich hinter einer Maske.
Obwohl die Vertreter dieser Ordnung überwiegend in tropischen und gemäßigten Küstengewässern verbreitet sind, umfassen sie sogar Haie denen eine eindeutig benthische (d.h. bodennahe) oder pelagische (d.h. im Freiwasser vorkommende) Lebensweise zugeordnet werden kann. Es gibt unter ihnen sogar Arten, die im Süßwasser leben können. Man zählt sowohl die kleinen Katzenhaie zu den Grundhaien, sowie auch Wieselhaie und die Gruppe, die wohl die größte Anzahl an Haien enthält, die Menschen gefährlich werden können, die hochspezialisierten Menschenhaie. Schließlich werden auch noch die Hammerhaie zu dieser Ordnung gezählt.
Katzenhaie gelten als Träge und unfähig zu ständiger Aktivität. Besonders bei großer Helligkeit verharren sie meist lange Zeit regungslos am Boden.
© by Heike Zidowitz/D.E.G.
Fast die Hälfte aller bekannten Arten gehören zu der Familie der Scyliorhinidae. Aufgrund der vielfältigen Zeichnungen, die aus Flecken, Streifen und Schnörkeln besteht und ihrer länglichen, gelben oder grünen Augen werden sie gemeinhin als Katzenhaie bezeichnet. Der Großgefleckte Katzenhai (Scyliorhinus stellaris) hat sogar die Eigenart, dass er außerhalb des Wasser wie eine Katze faucht. Katzenhaie sind reviertreue Fische, die maximal eine Länge von 1,60 Metern erreichen. Aber es gibt auch kleine Katzenhaie, die kaum Länger als 30 cm werden. Katzenhaie kommen in nahezu allen Gewässern, egal ob tropisch, gemäßigt oder boreal, vor. Sie leben - von Art zu Art unterschiedlich - in Tiefen von bis zu 2.000 Metern. Ihre große Verbreitung lässt sich schon an den Namen vieler Arten ablesen. So gibt es z.B. den "Japanese Catshark" (Apristurus japonicus), den "Madeira Catshark" (A. madeirensis) und den "South China Catshark" (A. stenseni), um nur einige zu nennen.
Katzenhaie sind in der Regel nachtaktiv und fangen kleine, vorwiegend tiefseebewohnende Fische, Krustentiere und Würmer. Sie legen meist längliche, flache Eier, die sie mit langen, verdrehten Filamenten am Meeresgrund verankern.
Eine weitere, aber weniger zahlreiche Familie stellt die der Marderhaie (Triakidae) dar. Die Arten dieser Familie werden zwischen 30 cm und zwei Meter lang. Sie bewohnen vorzugsweise küstennahe Gewässer mit sandigem, schlammigem oder felsigem Grund und tauchen teilweise in Tiefen von über 2.000 Meter hinab, wo sie benthische (d.h. bodenlebende) Krustentiere und Fische jagen. Der wohl bekannteste Vertreter ist - neben dem Glatthai (Gattung Mustelus) -, der einen beliebten Speisefisch darstellt, wohl der Leopardhai (Triakis semifasciata), der bei Aquarianern wegen seiner hübschen Zeichnung sehr beliebt ist.
Zumindest die schwarze Spitze der ersten Rückenflossen ist auf diesem Bild eines Schwarzspitzen Riffhais (Carcharhinus melanopterus) deutlich zu erkennen. Eben diesen Spitzen verdankt er seinen Namen.
© by Angelo Mojetta
Die eigentlichen Carcharhiniformes sind - wie schon erwähnt - die Familie der Carcharhinidae, die Menschenhaie. Diese Familie besteht aus kleinen und großen Arten zwischen einem und sechs Metern Länge. Die rundlichen Augen tragen eine Nickhaut (siehe "Sehvermögen"). Die Rückenflosse steht immer vor den Bauchflossen und der untere Lappen der Schwanzflosse ist stets gut entwickelt. In den meisten Fällen endet der spitz zulaufende Körper in einer spitzen, abgeflachten Schnauze.
Die Carcharhinidae sind nach Meinung vieler Wissenschaftler die bedeutendste aller Haifamilien. Sie dominiert in den Riffgemeinschaften, nicht nur was die Artenvielfalt angeht, sondern auch im Bereich der Individuenzahl (sogenannte "Abundanz"). Man trifft sie in allen gemäßigten und tropischen Meeren an. Der Bullenhai (Carcharhinus leucas) schwimmt sogar manche Flußläufe hinauf, was ihm schon einige unterschiedliche Trivialnamen, wie "Süßwasserhai" oder "Sambesi-Hai", einbrachte. Selbst im Mississippi und im Amazonas hat man ihn schon gesichtet. Oft verweilt er einige Wochen lang in den Flüssen, bevor er sich auf den Rückweg ins Meer macht.
Menschenhaie kommen normalerweise nur in den oberen 100 Metern der Ozeane vor. Einige tauchen bis auf 800 Meter herab, aber solche Arten stellen eher eine Ausnahme dar. Sie ernähren sich von den unterschiedlichsten Tieren, wie Krustentieren, Fischen, Kopffüßern und sogar Artgenossen. Die Gattung Carcharhinus bildet mit 29 Arten die umfangreichste Gattung der Familie Carcharhinidae. Die wohl bekanntesten Arten sind der Schwarzspitzen Riffhai (Carcharhinus melanopterus), der Graue Riffhai (C. amblyrhynchos), sowie der Weißspitzen Hochseehai (C. longimanus).
Auch der Weißspitzen-Riffhai (Triaenodon obesus) gehört zur Ordnung der Carcharhiniformes. Er bevorzugt das Leben am Korallenriff.
© by Angelo Mojetta
Zu den Menschenhaien gehören aber auch noch weitere relativ bekannte Haie, wie der Tigerhai (Galeocerdo cuvier), der Blauhai (Prionace glauca) oder auch der Große Hammerhai (Sphyrna mokarran). Zu diesen drei Arten finden Sie unter dem Menüpunkt "Bilder" und dann der entsprechenden Art noch einige weitere Informationen.