Haut

Die Haut der Haie

Die Haut eines Hais fühlt sich beim Anfassen sehr rau an. Schuld daran sind sogenannte Placoidschuppen, auch Dentikel genannt, aus denen die Haut besteht.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde Haihaut noch für die unterschiedlichsten Dinge genutzt, z.B. in Japan um den Griff von Schwertern zu bedecken oder als Schleifmittel. Dazu wurde sie getrocknet, gegerbt und zu sogenanntem Chagrin verarbeitet.

Die Placoidschuppen bestehen aus einer Basalplatte und einem zum Schwanz orientierten Dorn (auch Stachel genannt).

Die Basalplatte ist über Bindegewebsfasern mit der Unterhaut verbunden. Sie besteht, ähnlich dem Dentin der Zähne, aus einer knochenartigen Substanz. Der Dorn ist aus Dentin. Um ihn herum liegt eine zusätzliche Schicht Schmelz – eine harte, stark mineralisierte Substanz.

Eine Placoidschuppe

Aufbau einer Placoidschuppe: Der Dorn oder Stachel (1) und die Basalplatte (2).
© by Angelo Mojetta (modifiziert von Gordon Kuckluck)

Haie können bis zu 20.000 Placoidschuppen im Jahr verlieren, d.h. es müssen sich immer neue Schuppen nachbilden. Da der Hai im Laufe der Jahre wächst, wachsen die Schuppen mit.

Das genaue Aussehen der Placoidschuppen hängt von der Lebensweise des jeweiligen Hais ab. So haben beispielsweise benthische (d.h. bodenlebende) Arten eher harte und widerstandsfähige Dentikel, wohingegen die Dentikel beim Engelshai (Squatina squatina) rund und glatt sind, da er im Sand auf seine Beute lauert. Hätte er keine glatten Schuppen, könnte es passieren, dass er beim Angriff im Sand hängenbleibt. Teilweise kann man bei einem einzigen Hai an unterschiedlichen Körperstellen mehrere verschiedene Placoidschuppenarten erkennen.

Schuppen-Mosaik

Die Epidermis der Haie (also die äußerste Hautschicht) bildet ein Mosaik von Schuppen.
© by Angelo Mojetta

Manche Haiarten haben einen Stachel vor der Rückenflosse, wie etwa der Dornhai (Squalus acanthias). Diese Stacheln sind im Prinzip nur riesige Placoidschuppen.

Die Funktion der Placoidschuppen beschränkt sich keinesfalls nur auf eine allgemeine Abgrenzung gegenüber der Außenwelt. Die Placoidschuppen haben eine Vielzahl von Funktionen, z.B. bieten sie Schutz vor Verletzungen (wie bei manchen benthischen, d.h. bodenlebenden, Arten) oder bestimmter Sinnesorgane. So wirken die Placoidschuppen in der Umgebung der Augen bei manchen Arten wie eine Art Barriere, die das Wasser von diesen empfindlichen Organen fernhält und somit den auf ihnen lastenden Wasserdruck etwas reduziert.

Viele Experten vermuten, dass das Mosaik von Placoidschuppen zu einer Steigerung der Stromlinienförmigkeit der Haie führt – ähnlich dem Prinzip eines mit kleinen Vertiefungen übersäten Golfballs, der weiter und schneller fliegt als ein glatter.

Placoidschuppen eines Ammenhais

Placoidschuppen eines Ammenhais (Ginglymostoma sp.).
© by Michele Hall